Das Konzept der Hausgemeinschaften kann in dem Haus „Am Fischbach“ in Rosenthal nicht weitergeführt werden. Aber die Altenhilfe St. Elisabeth gGmbH will auch zukünftig Wohnen und Betreuung für Senioren an dem Standort anbieten. (Foto: Jürgen Jacob/St. Elisabeth-Verein)

Fachkräftemangel und die Sorge um die Menschen: Hausgemeinschaften „Am Fischbach“ werden Februar vorübergehend geschlossen

Rosenthal. „Wir bedauern sehr, dass wir die Hausgemeinschaften in Rosenthal nicht mehr in der jetzigen Form weiterführen können, die Entscheidung dafür ist uns sehr schwergefallen – wir mussten sie aber aus Sorge um die Menschen treffen“, erklären die beiden Geschäftsführer der Altenhilfe St. Elisabeth gGmbH, Oliver Pappert und Ulrich Gerhard, unisono. Mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Angehörigen sowie den Mitarbeitenden wurden Gespräche geführt, sie sind informiert: Die Hausgemeinschaften „Am Fischbach“ in Rosenthal, eine von sechs stationären Einrichtung der Altenhilfe St. Elisabeth gGmbH, wird im Februar vorübergehend ihre Türen schließen. Die Verantwortlichen setzen alles daran, dass die 25 Bewohnerinnen und Bewohner auch nach der Schließung weiter in guten Händen und bestens versorgt sind. So kann dies in der 20 Kilometer entfernten Einrichtung der Altenhilfe gGmbH in Wetter geschehen, weitere Plätze in anderen Einrichtungen in der Nähe können aufgrund der guten Vernetzung vermittelt werden. Auch von den Mitarbeitenden muss sich niemand Sorgen um seine berufliche Zukunft machen: Da die Altenhilfe gGmbH in der Region breit aufgestellt ist, können Alle in den nahegelegen Standorten übernommen werden. Zudem bedeutet die Schließung der Hausgemeinschaften nicht das Ende der Altenhilfe in Rosenthal, derzeit wird an einem zukunftsträchtigen Konzept gearbeitet, um weiter Wohnmöglichkeiten sowie Betreuung und Pflege von alten Menschen anzubieten.

„Die Entscheidung, die Hausgemeinschaften zu schließen ist uns sehr schwer gefallen, am Ende war sie leider aus Sorge um die Menschen notwendig“, betonen Pappert und Gerhard noch einmal: „Um unserer Verantwortung gegenüber den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den engagierten Mitarbeitenden gerecht zu werden und unseren Ansprüchen zu genügen, mussten wir sie treffen.“ Aufgrund des Pflegekräftemangels sowie den Rahmenbedingungen in der Pflege sei das nunmehr mehr als zehn Jahre alte Konzept der Hausgemeinschaften in Rosenthal unter den derzeitigen Bedingungen nicht mehr umsetzbar und refinanzierbar.

Die beiden Geschäftsführer machen es am Beispiel des Fachkräftemangels deutlich: Das anhaltende – und durch die Corona-Krise noch weiter verschärfte – Problem, für den ländlich gelegenen Standort ausreichend Pflegepersonal zu finden, konnte auch durch Personalgewinnungsmaßnahmen nicht gelöst werden. Angesichts von Arbeitszeiten im Schichtbetrieb stellt die nicht vorhandene ÖPNV-Anbindung des Standorts über die nahe gelegenen Kreisgrenze nach Marburg ein zusätzliches Hindernis dar. Die Mindestvorgaben der Landesregierung für Personal in Pflegeeinrichtungen müssen aber auch in Zeiten des Fachkräftemangels eingehalten werden. Auch der verstärkte Einsatz von Zeitarbeitskräften kann das Personalproblem nicht dauerhaft lösen, zumal die immensen Mehrkosten nicht vom Kostenträger übernommen werden

„Das Gebäude bleibt im Besitz des St. Elisabeth-Vereins“, erklärt Ulrich Kling-Böhm, Vorstand des alleinigen Gesellschafters der Altenhilfe gGmbH, und betont, dass die Schließung der Hausgemeinschaften nur ein Zwischenschritt sei. „Wir arbeiten derzeit an einem Konzept, dass neben den geänderten Rahmenbedingungen auch noch mehr die Bedürfnisse und Ansprüche von Bewohnerinnen und Bewohnern berücksichtig“, wirft Geschäftsführer Ulrich Gerhard einen Blick voraus. Dies beinhalte Wohnmöglichkeiten mit ambulanter Betreuung sowie selbstverständlich die individuell notwendige Pflege.