Wenn sich ehemalige Kinder und Jugendliche treffen, die in den 1960er- und 70er-Jahren im St. Elisabeth-Verein gelebt haben, wird schnell deutlich: Diese Zusammenkünfte sind weit mehr als ein Wiedersehen. Im Café SALAMANCA in Cölbe wird gelacht, umarmt und in Erinnerungen geschwelgt. Alte Fotos machen die Runde, Geschichten werden geteilt und schnell werden alte Freundschaften wieder lebendig.
Mittendrin: Vorständin Stefanie Lambrecht, die seit April diesen Jahres im Amt ist. Sie hört zu, fragt nach und begegnet den Ehemaligen mit großem Respekt. „Diese Begegnungen sind etwas Besonderes“, sagt sie. „Mich berührt die große Dankbarkeit, mit der viele auf ihre Lebensgeschichte blicken, obwohl ihre Ausgangssituation oft alles andere als einfach war. Es sind bewegende Gespräche, die zeigen, welchen Unterschied Unterstützung, Vertrauen und echte Teilhabe im Leben eines Menschen machen können.“
Die Gespräche zeigen, welche Bedeutung die Zeit im St. Elisabeth-Verein für viele hatte. Neben Versorgung und Betreuung erinnern sich die Ehemaligen vor allem an Chancen, die ihnen eröffnet wurden: Ausbildungsmöglichkeiten, persönliche Förderung und neue Perspektiven für ihr weiteres Leben.
Ein ehemaliger Bewohner berichtet beispielsweise, wie er als Kind in schwierigen familiären Verhältnissen aufwuchs und erst durch die Unterstützung im St. Elisabeth-Verein den Mut fand, eine Ausbildung zu beginnen. Heute blickt er auf ein selbstbestimmtes Berufsleben zurück. Solche Geschichten prägen viele der Gespräche während des gemeinsamen Mittagessens.
Dabei wird die Vergangenheit nicht verklärt. Auch kritische Aspekte der damaligen Zeit werden angesprochen. Gleichzeitig betonen viele Ehemalige, dass sie die heute bekannten Missstände anderer Einrichtungen dort nicht erlebt hätten. Gerade diese differenzierte Sicht macht die Begegnungen so glaubwürdig.
Die Treffen, die auf die Initiative des ehemaligen Bewohners Norbert Hohenadel zurückgehen und gemeinsam mit Pressesprecher Manfred Günther organisiert werden, sind längst zu einer festen Tradition im St. Elisabeth-Verein geworden.
Sie zeigen eindrucksvoll, was Kinder- und Jugendhilfe bewirken kann: Lebenswege eröffnen, Perspektiven schaffen und Verbindungen entstehen lassen, die ein Leben lang tragen.