Am 28. April 2026 hat das OIKOS Sozial- und Teilhabezentrum des St. Elisabeth-Vereins e.V. die neuen und erweiterten Räumlichkeiten des Traumazentrums in der Liebigstraße feierlich eröffnet. 
Im Mittelpunkt stand dabei insbesondere die noch junge Trauma-Anlaufstelle und Fachberatung (TAF), die seit Januar dieses Jahres ein wichtiges Unterstützungsangebot für Kinder, Jugendliche, Angehörige und Fachkräfte darstellt. Dank der Förderung durch das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege ist das niedrigschwellige Beratungsangebot kostenfrei.

Bereits vor rund einem Jahr wurde die „Fachberatung für Psychotraumatologie Marburg“ ins Leben gerufen. Die vergangenen Monate waren geprägt von intensiver Aufbauarbeit, gelingenden Kooperationen und neuen Impulsen, die nun in konkreten Angeboten wie der TAF sichtbar werden.

 

Wertschätzung für ein engagiertes Team

Zum Auftakt der Veranstaltung begrüßte Petra Lauer (Geschäftsbereichsleitung OIKOS) die zahlreichen Gäste und richtete persönliche Worte an das Team des Traumazentrums: „Ich bin unendlich stolz auf euch und danke euch von Herzen, dass ihr mein Team seid.“

Im Anschluss führten die beiden TAF-Ansprechpersonen Alina Nieporte-Schmidt und Tabea Leinbach in die Entstehungsgeschichte des Traumazentrums ein und stellten das Konzept der neuen Anlaufstelle vor. In einem lebendigen Austausch nutzten viele Interessierte die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich fachlich auszutauschen. Auch Landrat Jens Womelsdorf nahm an der Eröffnung teil und zeigte sich sehr interessiert an dem neuen Tätigkeitsschwerpunkt des Traumazentrums Marburg.

Bei Führungen durch die neu gestalteten Räume sowie einem gemeinsamen Buffet klang der Nachmittag in angenehmer Atmosphäre aus.

 

Ein dringend benötigtes Angebot

TAF richtet sich gezielt an Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, die Gewalt oder andere einschneidende Erlebnisse erfahren mussten. Bereits wenige Monate nach dem Start zeigt sich der große Bedarf: Über 20 Klient*innen wurden schon begleitet, und es erreichen das Team kontinuierlich neue Anfragen – trotz bislang geringer Öffentlichkeitsarbeit.

Tabea Leinbach beschreibt die gesellschaftliche Herausforderung so:
„Es braucht einfach noch Ressourcen an verschiedenen Orten, um die Menschen, die betroffen sind von Gewalt und Überlastungsreaktionen entsprechend unterstützen zu können.“

Dabei versteht sich die TAF bewusst nicht als therapeutische Langzeitstelle oder Diagnostikangebot. Vielmehr geht es darum, frühzeitig einen geschützten Raum zu schaffen, in dem Kinder und Jugendliche ins Sprechen kommen können – bevor sich Belastungen verfestigen.

„Räume sind ein erster Schritt, der ermöglicht, das zu hören, was anderswo vielleicht nicht gehört werden will oder
nicht gesagt werden darf.“
– Tabea Leinbach

Was die TAF leistet

Die Trauma-Anlaufstelle bietet ein niedrigschwelliges, vertrauliches und kostenfreies Angebot:

    • Psychoedukation: verständliche Erklärung von Traumafolgen
    • stabilisierende Gespräche: für Kinder, Jugendliche sowie Angehörige und Fachkräfte
    • Verweisberatung: Vermittlung an weiterführende Hilfen

Ein besonderes Element ist die direkte Erreichbarkeit: Neben festen telefonischen Sprechzeiten (mittwochs von 14 bis 16 Uhr) können Jugendliche auch per Chat Kontakt aufnehmen.

 

Traumatisierungen verstehen – Ressourcen stärken

Traumatische Erlebnisse wie Gewalt, Unfälle oder Verluste können bei jungen Menschen zu tiefgreifenden Verunsicherungen führen. Häufig zeigen sich emotionale, körperliche oder Verhaltensreaktionen wie Ängste, Rückzug, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten.

Wie verbreitet solche Erfahrungen sind, macht Alina Nieporte-Schmidt deutlich:
„Etwa ein Drittel aller Menschen erlebt im Laufe ihres Lebens ein potenziell traumatogenes Ereignis – jedes vierte Kind bereits vor dem Erwachsenenalter.“

Umso wichtiger ist es, frühzeitig Unterstützung anzubieten und den Blick auf vorhandene Stärken zu richten:

„Es ist so wichtig, diese in den Kindern schlummernden Ressourcen und Stärken zu sehen und freizusetzen und Räume dafür zu schaffen, in denen ausgesprochen werden darf, was erlebt wurde.“
– Alina Nieporte-Schmidt

Fachlichkeit und Qualität

Die Berater*innen der TAF sind erfahrene sozialpsychiatrische Fachkräfte sowie zertifizierte Fachberater*innen für Psychotraumatologie und Traumapädagogik. Durch regelmäßige Fortbildungen und Supervision wird die hohe fachliche Qualität kontinuierlich gesichert.

 

Kontakt und Erreichbarkeit

TAF – Trauma-Anlaufstelle und Fachberatung
St. Elisabeth-Verein Marburg e.V.
OIKOS Sozial- und Teilhabezentrum
Liebigstraße 9, 35037 Marburg

Telefon: 06421-4909994
Telefonische Sprechzeit: mittwochs von 14 bis 16 Uhr

E-Mail: taf@oikos-sozialzentrum.de
Link zur Internetseite

Info-Flyer zum Download

 

Mit der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten setzt der St. Elisabeth-Verein ein wichtiges Zeichen: Für mehr Sichtbarkeit, mehr Unterstützung und mehr Räume, in denen Kinder und Jugendliche mit ihren Erfahrungen gehört werden.

 

 

auf dem Bild:

Das Team um die Trauma-Anlaufstelle und Fachberatung (TAF): Tabea Leinbach, Katja Muth, Benjamin Pfetzing, Hanna Wegner, Catriona Schultz, Andreas Droste, Petra Lauer, Alina Nieporte-Schmidt